Das Kennenlernfest

Der Tag des großen Festes ist gekommen. Beim Kennenlernfest lernen sich traditionellerweise die Familien der künftigen Eheleute und die Eheleute selbst kennen. Da Ehen früher arrangiert wurden, kannten sich die zukünftigen Partner nicht. Die Eltern haben den Brautpreis, der in Form von Geschenken entrichtet wird, ausgehandelt, das Paar an sich spielt eher eine Nebenrolle. Der Ablauf des Festes ist festgelegt, als Zeremonienmeister ist ein Onkel von Linh eingesetzt, der Deutsch kann.

Morgens machen wir uns in unserem Zuhause, dem Hotel, fertig. Ein Fotograf begleitet Matthias, der auch im Hotel übernachtet hat, beim Anziehen. Wir Frauen, die Kinder und Matthias tragen traditionelle vietnamesische Kleider.

Vor dem Hotel warten Fahrradrikschas, in Vietnam "Cyclo" genannt, auf uns. Auf den Cyclos liegen die Geschenke bereit.

Die Fahrt geht los. Die Reihenfolge, in der wir fahren ist nach Alter und Familienzugehörigkeit (das wird heute noch öfter eine Rolle spielen), die Geschenke haben wir auf dem Schoß, in meinem Fall ein knallrotes gebratenes Schweinchen. Da das Haus von Linhs Elter doch sehr nah am Hotel liegt, fahren wir einen Umweg durch Hanoi. Wir sind die Attraktion des Tages, Leute steigen aus ihren Autos aus, um von uns Fotos zu machen. Jetzt weiss ich, wie sich Tiere im Zoo vorkommen.

Vor dem Quartier von Linhs Eltern angekommen werden uns die Geschenke von in blau gekleideten, angemieteten jungen Männern (die ledig sein müssen) abgenommen. Wir stellen uns in der richtigen Reihenfolge auf und warten darauf, dass der Zeremonienmeister sein ok gibt.

Kurz vor dem Hauseingang zu Linhs Eltern werden wir von einem Konfettiregen überschüttet. Junge Frauen in roten Kleidern (die auch alle ledig sein müssen) warten dort auf die jungen Männer in Blau.

Die jungen Frauen und Männer tragen nun die Geschenke ins Haus, wo sie auf einem Geschenktisch aufgebaut werden.

Danach ziehen wir ins Haus ein.

Wir müssen uns dem Alter und der Familienzugehörigkeit nach geordnet auf die eine Seite des Tisches setzen.

Auf der anderen Seite sitzt Linhs Familie, ebenfalls nach Alter geordnet.

Das hübsche Mädchen in der Ecke hätte ich beinahe nicht wiedererkannt...

Dann wird Tee getrunken.

Jetzt stellt uns Papa der Reihe nach vor, jeden mit Namen und Verwandtschaftsgrad.

Auch die Kinder sind dabei.

Dann muss Papa eine Rede halten. Linhs Onkel übersetzt.

Danach decken die Mütter die Geschenke auf.

Von unserern Eltern gibt es noch ein spezielles Geschenk: eine Kuckucksuhr.

Nun gehen das Paar und die Mütter zum Schrein von Linhs Oma und opfern dort einen Teil der Geschenke.

Dann werden Räucherstäbchen angezündet und ein Gebet gesprochen.

Nun muss sich Linh als gute zukünftige Ehefrau beweisen und fleißig Tee einschenken.

Einen Teil der Geschenke bekommt Mama zurück.

Dann werden unzählige Fotos gemacht.

Irgendwann gibt Papa das Kommando zum Aufbruch und wir gehen zurück nach Hause, also ins Hotel.

Traditionellerweise würde nun getrennt weitergefeiert. Da wir aber ja kein wirkliches Zuhause zum Feiern haben, ziehen wir uns nur um und gehen nach einer Weile wieder zurück.

Nun wird gegessen, teilweise die Brautgeschenke wie das Schweinchen oder den roten Reis, aber auch frisch gekochte Speisen kommen auf den Tisch.

Danach sitzen wir noch eine Weile zusammen. Die Sprachbarriere macht leider ein echtes Kennenlernen nicht einfach.

Aber ein paar von den Gästen sprechen Deutsch, Englisch, und Linhs Großvater kann sogar Französisch.

Mama mit einer Freundin von Linhs Mutter, die Deutsch kann.

Linhs Onkel kann, wie bereits erwähnt, Deutsch.

Langsam wird aufgeräumt. Die Essensreste werden verpackt und an die restlichen Gäste verteilt.

Auch die improvisierte Küche wird ausgeräumt und geputzt.

Tische und Stühle werden auf einen kleinen Wagen gepackt. Dieses Gefährt wird später von einem Roller abgeholt.

Die Geschenkpyramiden, die aus kleinen Schachteln bestehen, werden auseinandergenommen. Die Schachteln werden in kleine Beutel verpackt.

Die Gäste für die Hochzeitfeier (so um die 500) werden alle persönlich von Linhs Eltern eingeladen und bekommen nebst Einladung einen dieser Geschenkbeutel.

  20.10.13 19:39:02, von Chrissi   , 670 Wörter, Kategorien: Lars, Christiane, Anne, Besuch, Ausflug, Samuel ,

Erstes Eintauchen in vietnamesische Kultur

Als wir heute bei Linhs Eltern ankamen stand bei den Nachbarn ein Roller vor der Tür.

Hinten auf dem Roller war lebendes Vieh...

Die gewählte Ente wurde direkt vor Ort gewogen...

... und geschlachtet. Für uns sicherlich etwas gewöhnungsbedürftig, aber frischer geht es nicht.

Wir "Mädels" sind dann mit den Kindern losgezogen, um Kleider für das morgige Kennenlernfest zu kaufen. Für uns Erwachsene mussten natürlich Maßanfertigungen gemacht werden, weil wir ein kleines bisschen größer als die durchschnittliche Vietnamesin sind, aber für die Kinder reichten Kleider von der Stange.

Eine größere Straße in Hanoi sieht in etwa so aus: die Bürgersteige sind größtenteils mit Rollern vollgeparkt oder es stehen Tische und Stühle im Weg.

In den sehr schmalen, aber hohen Häusern sind unten meist Geschäfte oder Restaurants, die sich auf eine Speise spezialisiert haben.

Manchmal wird auch direkt auf dem Bürgersteig gekocht. Im Vorbeigehen riecht es also immer wieder nach Essen, aber es ist nicht vergleichbar mit den von Hause bekannten Kochgerüchen. Viel Knoblauch ist dabei, Koriander und viele Kräuter, die wir nicht kennen.

Im Stoff- und Kleiderladen werden wir von Farben, tollen Mustern und Glitzer erschlagen.

Wir haben schnell Kleider für die Kinder ausgesucht. Samuel gefällt sein Kleid sehr, er steht lange vorm Spiegel und streicht über den glänzenden Seidenstoff.
Dann gehen Karoline und Freiderike mit den Kindern nach draußen, damit den beiden nicht so langweilig wird. Die Vietnamesen finden die Kinder über alle Maßen interessant und so werden die vier bald ein bisschen belagert.

Bei Linhs Familie ist das große Umräumen für die Feier morgen angesagt. Das Wohnzimmer ist schon leergeräumt, Anne sitzt schon mal Probe auf einem der Stühle für morgen.

Wir machen uns also vom Acker, um uns was zu Essen zu suchen. Samuel ist schon völlig erledigt.

Da wir noch ein bisschen unsicher sind, was Strassenrestaurants angeht, fällt unsere Wahl auf eine Fastfoodkette, aber eine echt asiatische, keine amerikanische.

Auf dem Rückweg kommen wir wieder am Mausoleum vorbei. Dies wird von jungen Soldaten in hübschen weissen Uniformen bewacht, die aufpassen, dass die Totenruhe nicht gestört wird und die Touristen nicht die gelbe Linie übertreten. Aber die Soldaten dürfen lachen und auch mit den Leuten reden. Anne fanden sie alle toll, was auf Gegenseitigkeit beruhte.

  19.10.13 13:38:08, von Chrissi   , 406 Wörter, Kategorien: Christiane, Anne, Besuch, Ausflug, Samuel ,

Angekommen...

Karo hatte mir in den letzten Wochen schon immer Bilder geschickt, um mir einen kleinen Einblick in das Leben in Hanoi zu geben. Aber ich habe versucht, einfach alles völlig unvoreingenommen live auf mich wirken zu lassen. Wir sind also durch die Passkontrolle gegangen (weil wir Europäer für Asiaten alle gleich aussehen, gab es vor allem bei unseren Kindern ein bisschen Verwirrung, weil deren Passbilder tatsächlich fast gleich aussehen). Während wir dann auf unsere Koffer gewartet haben, haben Linh und Karo schon mal die Kinder geholt, damit denen nicht zu langweilig wurde.

Und dann kamen wir aus dem Flughafen.

Es ist ein bisschen schwierig, die ersten Eindrücke in Worte zu fassen. Auf jeden Fall war es warm. Und die Luft roch völlig anders als hier. Es waren viel mehr Abgase in der Luft und weil es kurze Zeit vorher geregnet hatte war es recht schwül. Und es war laut. Viele Taxis waren unterwegs und die Hupe ersetzt wohl alle Verkehrsregeln dort.

Wir haben uns in ein Großraumtaxi gequetscht, in dem die Sicherheitsgurte nur zur Sicherung des Gepäcks dienten, das aber eine gut funktionierende Hupe und eine Klimaanlage hatte. Da der Weg in die Stadt ca. 45 Minuten dauerte hatte ich genug Zeit, die Eindrücke auf mich einprasseln zu lassen. Reisfelder, Gemüsefelder, Fabriken, Verkaufsstände, schmale und hohe Häuser, und vor allem Roller, Roller, Roller.

In Hanoi sind wir kurz vor unserem Ziel, dem Wohnquartier von Linhs Eltern, in einen dicken Stau gekommen. Wir sind also mitten auf der Straße aus dem Taxi ausgestiegen und sind mit unseren Koffern den Rest der Strecke zu Fuß gegangen. Und da habe ich beschlossen, einfach alles so zu nehmen, wie es kommt, und mich über nichts zu wundern.

Wir haben ein bisschen Zeit mit Linhs Familie verbracht, bis wir in unser Hotel einchecken konnten.

Das Hotel liegt nur ca. 5 Gehminuten von dem Haus von Linhs Eltern entfernt und ist eigentlich ein Diplomatenhotel. Aber Linhs Vater hat uns dort Unterkunft zu vietnamesischen Preisen besorgt.

Direkt gegenüber von unserem Hotel liegt der Ho Chi Minh - Platz.

Natürlich steht dort auch das Mausoleum von Ho Chi Minh.

Wir gehen über eine Straße. Was in unserer Heimat kein Problem ist und meist geregelt abläuft ist hier ein Abenteuer, das man nur bewältigen kann, wenn man sich einfädelt. Hätten wir gewartet, bis die Straße frei gewesen wäre, würden wir wahrscheinlich immer noch da stehen.

"F**k you! Thank you!" :))

So geht es dann in das Wohnquartier von Linhs Eltern. Vorne gibt es ein Tor, das abends geschlossen wird und wo man dann nicht mehr so ganz einfach reinkommt. Die Gassen sind echt eng, was aber keinen davon abhält, da mit dem Roller duchzufahren.

So sieht übrigens der Spielplatz des Quartiers aus...

Das hier ist das Haus von Linhs Eltern. Im Prinzip gibt es auf jeder Etage zwei Zimmer und ein Bad. Im Erdgeschoss sind Wohnzimmer, Küche und ein WC, im ersten und zweiten Stock gibt es je zwei Schlafzimmer und ein Duschbad. Im Dachgeschoss ist der Ahnenschrein und der Hauswirtschaftsraum.

Vor der Haustür müssen die Schuhe ausgezogen werden.

Das ist das Wohnzimmer von Linhs Eltern. Die Zimmerbreite ist gleich der Hausbreite.

Weil wir alle völlig fertig von der Reise waren haben wir an diesen Tag nicht mehr viel gemacht und uns ausgeruht.

  18.10.13 21:27:06, von Chrissi   , 572 Wörter, Kategorien: Lars, Christiane, Anne, Besuch, Ausflug, Samuel ,

Auf großer Reise

Heute sind wir extra früh aufgestanden und haben uns zuerst mit dem Taxi und dann mit dem Zug auf den Weg nach Frankfurt zum Flughafen gemacht, wo unser Flieger nach Vietnam abheben sollte.

Dort haben wir den Rest unserer "Reisegruppe" getroffen: Mama, Rita, Friederike und Dominik. Papa, Karoline, Matthias und Linh waren ja schon 2 Wochen vorher abgereist, Andre würde von Amsterdam aus fliegen.

Wir haben die Kinder noch ein bisschen rumtoben und spielen lassen, weil der Flug mit rund 12 Stunden nicht gerade kurz werden sollte.

Im Flugzeug war Samuel dann schon so müde, dass er ein Nickerchen machen musste.

Anne hat sich mit den Bordmedien vertraut gemacht. Sie hat sich auch sehr darüber gefreut, dass Friederike ihren Gameboy mit Shaun das Schaf-Videos vollgepackt hatte.

Wir hatten glücklicherweise Sitze in einem Block bekommen. Friederike und Dominik saßen direkt am Notausgang (der Beinfreiheit wegen), dahinter Mama und Rita, dann kamen wir.

An sich war der lange Flug kein Problem. Was aber kurios war, dass angesichts der Zeitumstellung schon an Bord die vietnamesische Zeit eingeführt wurde. Wir bekamen also Mittagessen und kurze Zeit später wurde das Licht gedimmt, wir mussten die Fenster abdunkeln und es wurde gehofft, dass wir irgendwie schlafen. Haben wir natürlich nicht. Und als wir gelandet sind, waren wir wie gerädert, wie es sich gehört.

  17.10.13 21:12:30, von Chrissi   , 226 Wörter, Kategorien: Lars, Christiane, Anne, Besuch, Ausflug, Samuel ,

Lindenhoffest

Anlässlich des 25-järigen Bestehens des Lindenhofes gab es ein großes Fest.

Es gab Programm für alle Altersklassen. Rutschefahrzeugfahren für die Kleinen...

... und Rollifahren für die Großen.

Auf dem Schulhof gab es tolle Blumen.

Eine Hüpfburg gab es auch.

Samuel ist sich noch nicht so sicher, ob es ihm gefällt.

Aber Anne hatte ihren Spaß.

Zu Schluss wurden Luftballons fliegen gelassen.

  21.09.13 13:32:58, von Chrissi   , 69 Wörter, Kategorien: Lars, Christiane, Anne, Ausflug, Samuel ,

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